Wayvo
Alle Artikel
Ratgeber25. Februar 202610 Min.Wayvo Team

Autovermietung Preise kalkulieren: So finden Sie den richtigen Mietpreis

Mietpreise richtig berechnen für Ihre Autovermietung in der Schweiz. Kostenstruktur, Deckungsbeitrag, Konkurrenzanalyse und dynamische Preisgestaltung — mit konkreten Formeln und Beispielen.

Der häufigste Fehler kleiner Autovermietungen in der Schweiz? Sie setzen ihre Preise nach Bauchgefühl. Ein Blick auf die Konkurrenz, ein bisschen Rundung, fertig. Das funktioniert — bis es nicht mehr funktioniert. Bis die Reparaturrechnung kommt, die Versicherungsprämie steigt oder ein Fahrzeug drei Wochen unvermietet auf dem Parkplatz steht.

Professionelle Preiskalkulation ist kein Excel-Monster. Es ist ein System, das Ihnen sagt: Was muss dieses Fahrzeug pro Tag mindestens einbringen, damit es sich lohnt? Und was kann es maximal einbringen, ohne Kunden zu verlieren?

Dieser Artikel zeigt Ihnen beides — mit konkreten Zahlen, Formeln und Schweizer Realität.


Warum Bauchgefühl nicht reicht

Viele Vermieter orientieren sich ausschliesslich am Marktpreis. Sie schauen, was Europcar oder Sixt verlangen, ziehen 10 % ab und hoffen auf Auslastung. Das Problem: Grosse Anbieter haben völlig andere Kostenstrukturen. Sie kaufen Fahrzeuge in Stückzahlen, haben Rahmenverträge mit Versicherungen und amortisieren Marketing über Hunderte von Standorten.

Ein kleiner Vermieter mit 8 Fahrzeugen in Luzern hat andere Fixkosten, andere Versicherungsprämien und andere Auslastungsquoten. Wer blind den Grossen folgt, fährt unter Umständen Verlust — ohne es zu merken.

Die drei Säulen der Preiskalkulation

  1. Kostendeckung — Was muss das Fahrzeug mindestens einbringen?
  2. Marktpositionierung — Was zahlen Kunden in Ihrer Region?
  3. Gewinnmarge — Was bleibt nach allen Kosten übrig?

Nur wer alle drei kennt, kann fundiert entscheiden.


Schritt 1: Die Kostenstruktur verstehen

Bevor Sie einen Preis festlegen, müssen Sie wissen, was ein Fahrzeug pro Tag kostet — ob es vermietet wird oder nicht.

Fixkosten pro Fahrzeug und Jahr

| Kostenposition | Beispiel (VW Golf, Schweiz) | |---|---| | Leasing / Abschreibung | CHF 4'800 – 7'200 | | Vollkasko-Versicherung | CHF 1'800 – 3'000 | | Motorfahrzeugsteuer | CHF 300 – 600 | | Vignette | CHF 40 | | Parkplatz / Stellplatz | CHF 1'200 – 2'400 | | MFK (alle 2 Jahre, anteilig) | CHF 50 – 75 | | Total Fixkosten | CHF 8'200 – 13'300 |

Variable Kosten pro Vermietung

| Kostenposition | Betrag | |---|---| | Reinigung (innen/aussen) | CHF 30 – 60 | | Reifenverschleiss (anteilig) | CHF 5 – 15 pro Tag | | Service/Wartung (anteilig) | CHF 8 – 20 pro Tag | | Kraftstoff-Nachfüllung (falls inkl.) | CHF 15 – 30 | | Verschleissteile (Bremsen etc.) | CHF 3 – 8 pro Tag | | Total variable Kosten | CHF 15 – 45 pro Tag |

Die Schlüsselzahl: Kosten pro Tag

Formel:

Tageskosten = (Jahres-Fixkosten ÷ 365) + variable Tageskosten

Beispielrechnung VW Golf:

  • Fixkosten: CHF 10'000 / 365 = CHF 27.40 pro Tag
  • Variable Kosten: CHF 25 pro Tag (Durchschnitt)
  • Tageskosten gesamt: CHF 52.40

Das bedeutet: Selbst wenn das Auto nicht vermietet ist, kostet es Sie CHF 27.40 pro Tag. An Vermittagen kommen die variablen Kosten dazu. Unter CHF 52.40 pro Tag machen Sie mit diesem Fahrzeug Verlust.


Schritt 2: Die Auslastung einrechnen

Kein Fahrzeug ist 365 Tage im Jahr vermietet. Die durchschnittliche Auslastung kleiner Schweizer Vermietungen liegt bei 55 bis 70 %. Das verändert die Kalkulation massiv.

Formel mit Auslastung:

Mindest-Tagessatz = Jahres-Gesamtkosten ÷ (365 × Auslastungsquote)

Beispiel bei 60 % Auslastung:

  • Jahres-Fixkosten: CHF 10'000
  • Variable Kosten bei 219 Vermittagen (60 %): CHF 25 × 219 = CHF 5'475
  • Gesamtkosten: CHF 15'475
  • Mindest-Tagessatz: CHF 15'475 ÷ 219 = CHF 70.66

Bei 60 % Auslastung müssen Sie also mindestens CHF 71 pro Tag verlangen, um kostendeckend zu arbeiten. Ohne Gewinn. Ohne Rücklagen. Ohne Unvorhergesehenes.

Auslastung nach Fahrzeugkategorie

  • Kleinwagen (VW Polo, Fiat 500): 65 – 75 % (hohe Nachfrage, günstig)
  • Mittelklasse (VW Golf, Skoda Octavia): 60 – 70 %
  • SUV / Premium: 45 – 60 % (höherer Tagessatz, geringere Frequenz)
  • Transporter / Lieferwagen: 50 – 65 % (starke Wochenend-Nachfrage)

Schritt 3: Marktpreise analysieren

Jetzt wissen Sie, was Ihr Fahrzeug kosten muss. Aber was zahlen Kunden in Ihrer Region tatsächlich?

So ermitteln Sie den Marktpreis

  1. Buchungsportale checken: Check24, billiger-mietwagen.de, TCS-Mietwagen — suchen Sie Ihre Stadt, Ihren Fahrzeugtyp, verschiedene Zeiträume
  2. Lokale Konkurrenz: Google Maps "Autovermietung [Stadt]" — Websites prüfen, Preise notieren
  3. Grosse Anbieter als Obergrenze: Europcar, Sixt, Hertz zeigen den Marktpreis — aber deren Preise sind für Kunden oft zu hoch (Ihre Chance)
  4. Saisonale Schwankungen beachten: Sommerpreise können 30 – 50 % über Winterpreisen liegen

Typische Marktpreise Schweiz (2026, Mittelklasse)

| Zeitraum | Tagessatz | |---|---| | Nebensaison (Nov – März) | CHF 65 – 85 | | Zwischensaison (Apr, Okt) | CHF 80 – 110 | | Hauptsaison (Mai – Sep) | CHF 100 – 140 | | Feiertage / Events | CHF 120 – 180 |

Der Sweet Spot

Ihr Preis sollte:

  • Über Ihrem Mindest-Tagessatz liegen (Kostendeckung + Marge)
  • Unter den Grossanbietern (Ihr Wettbewerbsvorteil)
  • Auf dem Niveau oder leicht unter lokaler Konkurrenz (wenn Sie neu sind)

Für unseren VW Golf: Mindestpreis CHF 71, Marktpreis CHF 80 – 110 → Zielpreis CHF 89 – 99 pro Tag in der Nebensaison, mit Spielraum nach oben im Sommer.


Schritt 4: Dynamische Preisgestaltung

Fixpreise das ganze Jahr? Das verschenkt Geld. Professionelle Vermietungen arbeiten mit dynamischen Preisen — und das ist einfacher als Sie denken.

Preisfaktoren

  • Saison: Hochsaison +20 – 40 %, Nebensaison –10 – 15 %
  • Wochentag: Wochenenden oft +10 – 20 % (Freizeitmieter)
  • Mietdauer: Wochenrabatt (7+ Tage: –10 – 15 %), Monatsrabatt (30+ Tage: –25 – 35 %)
  • Vorlaufzeit: Last-Minute (< 24h) kann teurer oder günstiger sein — je nach Auslastung
  • Auslastung: Wenn >80 % Ihrer Flotte vermietet ist → Preis hoch. Wenn < 40 % → Aktion

Beispiel: Preismatrix VW Golf

| Saison | 1–3 Tage | 4–6 Tage | 7–13 Tage | 14+ Tage | |---|---|---|---|---| | Nebensaison | CHF 89 | CHF 79 | CHF 69 | CHF 59 | | Zwischensaison | CHF 109 | CHF 99 | CHF 85 | CHF 72 | | Hauptsaison | CHF 129 | CHF 119 | CHF 99 | CHF 85 |

Automatisieren Sie Ihre Preise

Manuelles Anpassen von Preisen bei 10+ Fahrzeugen und 4 Saisonzeiträumen ist unrealistisch. Eine Software wie Wayvo lässt Sie Preisregeln einmal definieren — Saison, Dauer, Fahrzeugkategorie — und berechnet den Preis automatisch bei jeder Buchung. Kein Nachschauen, kein Vergessen, keine Fehler.


Schritt 5: Zusatzleistungen als Gewinnhebel

Der Tagessatz ist nur die Basis. Die echte Marge steckt oft in den Extras:

| Zusatzleistung | Typischer Preis | Marge | |---|---|---| | Zusatzfahrer | CHF 10 – 15 / Tag | ~90 % | | Kindersitz | CHF 10 – 15 / Tag | ~85 % | | Navigationssystem | CHF 8 – 12 / Tag | ~90 % | | Winterreifen (Aufpreis) | CHF 5 – 10 / Tag | ~70 % | | Vollkasko-Reduktion | CHF 15 – 25 / Tag | ~95 % | | Einwegmiete | CHF 50 – 150 pauschal | ~60 % | | Zustellung / Abholung | CHF 30 – 80 pauschal | ~40 % |

Tipp: Bieten Sie ein "Sorglos-Paket" an, das Vollkasko-Reduktion, Zusatzfahrer und Winterreifen bündelt — für CHF 25 – 35 pro Tag statt CHF 30 – 50 einzeln. Kunden lieben Einfachheit, und Sie erhöhen den durchschnittlichen Buchungswert um 20 – 30 %.


Schritt 6: Kalkulation überprüfen

Einmal kalkulieren reicht nicht. Überprüfen Sie Ihre Preise vierteljährlich:

Checkliste Preisüberprüfung

  • ☐ Stimmt die tatsächliche Auslastung mit der Kalkulation überein?
  • ☐ Sind unerwartete Kosten aufgetaucht (Reparaturen, Schäden)?
  • ☐ Haben sich Versicherungsprämien verändert?
  • ☐ Was macht die Konkurrenz preislich?
  • ☐ Gibt es neue Fahrzeuge in der Flotte mit anderen Kosten?
  • ☐ Passen die Saisonzeiträume noch?

Warnsignale

  • Auslastung > 85 %: Ihre Preise sind wahrscheinlich zu niedrig
  • Auslastung < 50 %: Preise zu hoch — oder Marketing-Problem
  • Hohe Anfragequote, niedrige Buchungsrate: Preis-Schock beim Checkout
  • Viele Langzeitmieten, wenig Kurzzeit: Kurzzeit-Tagessatz prüfen

Rechenbeispiel: Komplette Kalkulation

Nehmen wir eine kleine Vermietung in Bern mit 6 Fahrzeugen:

Flotte:

  • 2× VW Polo (Kleinwagen)
  • 2× VW Golf (Mittelklasse)
  • 1× VW Tiguan (SUV)
  • 1× VW Transporter (Nutzfahrzeug)

Jahreskalkulation:

| Fahrzeug | Fixkosten/Jahr | Var. Kosten/Tag | Auslastung | Vermittage | Mindest-TS | Ziel-TS (Ø) | |---|---|---|---|---|---|---| | VW Polo | CHF 8'500 | CHF 20 | 70 % | 256 | CHF 53 | CHF 75 | | VW Golf | CHF 10'000 | CHF 25 | 65 % | 237 | CHF 67 | CHF 95 | | VW Tiguan | CHF 14'000 | CHF 30 | 55 % | 201 | CHF 100 | CHF 135 | | VW Transporter | CHF 12'000 | CHF 35 | 55 % | 201 | CHF 95 | CHF 125 |

Jahresumsatz bei Zielpreisen:

  • 2× Polo: 2 × 256 × CHF 75 = CHF 38'400
  • 2× Golf: 2 × 237 × CHF 95 = CHF 45'030
  • 1× Tiguan: 201 × CHF 135 = CHF 27'135
  • 1× Transporter: 201 × CHF 125 = CHF 25'125
  • Fahrzeug-Umsatz: CHF 135'690
  • Zusatzleistungen (~15 %): CHF 20'350
  • Gesamtumsatz: CHF 156'040

Gesamtkosten:

  • Fixkosten Fahrzeuge: CHF 63'000
  • Variable Kosten: ~CHF 29'000
  • Gemeinkosten (Büro, Software, Marketing): ~CHF 24'000
  • Gesamtkosten: CHF 116'000

Gewinn vor Steuern: ~CHF 40'000

Das zeigt: Mit 6 Fahrzeugen, solider Auslastung und richtiger Preisgestaltung kann eine Vermietung profitabel arbeiten. Aber nur, wenn die Kalkulation stimmt.


Preiskalkulation mit Software automatisieren

Die grösste Herausforderung ist nicht die Erstberechnung — sondern das tägliche Management. Saisonpreise pflegen, Rabatte berechnen, Zusatzleistungen addieren, Langzeitrabatte anwenden — von Hand wird das bei 6+ Fahrzeugen zur Fehlerquelle.

Mit Wayvo definieren Sie Ihre Preislogik einmal:

  • Saisonzeiträume mit automatischer Preisanpassung
  • Dauer-Staffelpreise (Wochen- und Monatsrabatte)
  • Zusatzleistungen als Buchungsoption
  • Automatische Rechnungsstellung mit korrekter MWST

Ihre Kunden sehen sofort den richtigen Preis — online, rund um die Uhr. Keine Rückfragen, keine Wartezeiten, keine Rechenfehler.

Jetzt 14 Tage kostenlos testen →


Fazit

Preiskalkulation für Autovermietungen ist keine Raketenwissenschaft — aber sie erfordert Systematik. Kennen Sie Ihre Kosten, verstehen Sie Ihren Markt, und passen Sie Ihre Preise dynamisch an. Die Formel ist einfach:

Richtiger Preis = Kostendeckung + Marktpositionierung + gesunde Marge

Wer das beherrscht, vermeidet die zwei grössten Fehler: Zu billig vermieten und langsam Geld verlieren. Oder zu teuer vermieten und Kunden an die Konkurrenz abgeben.

Fangen Sie mit der Kostenanalyse an. Der Rest folgt daraus.

Bereit, Ihre Autovermietung zu digitalisieren?

Testen Sie Wayvo 14 Tage kostenlos — keine Kreditkarte nötig.

Kostenlos starten